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Landesvorstand Otto Dufter vom Bayer. Trachtenverband informiert zum Brauch der Berg-, Sonnwend- und Johannisfeuer
Die Glut vom Sonnwendfeuer brachte Segen für das heimische Herdfeuer

Chiemgau (hö) 19.06.02 -  Wenn in diesen Tagen gerade wegen der heurigen hochsommerlichen Junitage die Feiern zur Sonnenwende mit besonderer Vorfreude vorbereitet werden, dann gibt es zum Sommeranfangstag am 21. Juni und zum Festtag des Heiligen Johannes des Täufers wieder die traditionellen Sonnwend-, Berg- und Johannisfeiern. Landesvorsitzender Otto Dufter aus Unterwössen vom Bayerischen Trachtenverband begrüßt die Pflege der oftmals vergessenen Bräuche. In diesen Tagen gab er eine spezielle Information heraus, die den Sinn und Inhalt der Feuer am Beispiel der Johannisfeier erläutern soll:

Sonnwendfeuer auf der Kampenwand bei Aschau„Eine Unmenge von Bräuchen begleiten diese kürzeste und doch geheimnisvollste Nacht des Jahres. Überall brennen die Sonnwendfeuer, die ursprünglich durch „Drehen“ oder „Reiben“ zweier trockener Hölzer „jungfräulich“ entfacht wurden. Es ist die höchste Zeit des Jahres, die Sonne wandert auf ihrem größten Bogengang über den Himmel. So sollte früher der Sieg des Lichtes und der Lichtgötter vollkommen werden, indem man die ohnehin kurze Nacht mit diesem „Wendfeuer“ vollständig in einen hellen Tag verwandelte. So wie die „Rauhnächte“, ist auch die Johannisnacht im Volksglauben eine Schicksalsnacht, in die auch später noch „höhere Mächte“ hineingreifen konnten. So konnten Geister, mancherlei Spuk, Hellseherei und Liebeszauber ihr Wesen treiben, denn niemals offenbarte sich das zukünftige Schicksal so deutlich wie in dieser Nacht. Natürlich spukte es gewaltig in dieser mysteriösesten aller Nächte. Sprüche, beschwörende Feuer und schützende Zeichen gegen alles Böse fanden ihre Anwendung. So wurden Fenster und Türen sorgfältig verstopft und mit dem Kreuzzeichen bemalt oder alte Besen vor die Haus- und Stalltüren gestellt, um den schlimmen Mächten den Eintritt zu verwehren.

Zauberkräftige Pflanzen verliehen Schutz vor Krankheit und die Glut vom Sonnwendfeuer brachte Segen für das heimische Herdfeuer. Die Asche des Sonnwendfeuers soll für Mensch und Tier gleichermaßen heilsam sein und sie steigerte die Fruchtbarkeit der Felder und Äcker. Der Sprung über das niederbrennende Feuer war wohl schon immer Ehrensache. Im Mittelalter wurde das „Feuerhüpfen“ von allen Bevölkerungsschichten gar  im Beisein von Ehrengästen oder des Magistrats ausgeführt. Dass Sonnwendfeuer an sich ist ja ein uralter Volksbrauch und führt uns bis in die graue Vorzeit zurück als unsere „Uraltvorderen“ die Sonne noch als Gottheit verehrten. Nichts lag näher als dem glühenden Himmelsgestirn mit großen Feuern zu huldigen und so errichteten sie auf Hügeln und Bergkuppen große Holzstöße und zündeten sie an. Weithin leuchteten dann diese Höhenfeuer übers Land und kündigten von ihrer geheimen Kraft – zu Ehren des Licht- und Sommergottes. Christliche Missionare verband dieses heidnische Fest mit dem Geburtsfest Johannes des Täufers und versuchten wohl so den vorchristlichen Charakter des Feuers vergessen zu machen. Seither wurde die Feuerstelle Johannesfeuer genannt. Bereits im Mittelalter wurden auch auf den Marktplätzen der Städte und Dörfer Feuer zur Johannisnacht entzündet und um diese Johannesfeuer tanzten bereits damals schon die Zuschauer herum“.

Soweit die Informationen von Otto Dufter zu den Feuern zu Sonnwend und Johanni auf den heimischen Bergen.

Foto: Berger

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Stand: 26. September 2002