Fraueninsel
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Entgegen früheren Annahmen steht heute ziemlich sicher fest,
dass die Benediktinerabtei Frauenwörth von König Ludwig dem Deutschen (843-876) wohl um
860 gegründet wurde. Erste nachweisliche Äbtissin war seine Tochter Irmingard (gest.
866), welche 1929 seliggesprochen wurde und heute die Schutzpatronin des Chiemgaues ist.
Auch in späteren Jahren stammten viele Nonnen und Äbtissinnen aus dem Adel oder reichem
Bürgertum (s. Grabsteine in der Klosterkirche).
Obwohl wesentlich kleiner, war die
Fraueninsel (0,105 qkm) immer schon dichter besiedelt (Klosterangestellte, Fischer) als
die Herreninsel (2,15 qkm). Für den Garten-, Kräuter- und Gemüsebau des Klosters und
der etwa 4o Anwesen, die heute mit Herrenchiemsee eine eigene Gemeinde bilden, wurde
deswegen hauptsächlich die benachbarte, unbewohnte Krautinsel herangezogen.
Dem eigentlichen Kloster im Norden vorgelagert, bildet die Torhalle",
dem einzigen erhaltenen Klostergebäude der Karolingerzeit, und der darin befindlichen
Michaelskapelle den Zugang. Die 1961 -64 aufgedeckten Fresken im Obergeschoss
(Chor der Michaelskapelle) gehören zu den frühesten in Bayern, entstanden um 860/865 unter
byzantinischem Einfluss. Sie zeigen Erzengel, die den am Altar unsichtbaren anwesenden
Christus bewachen. Die Malereien wurden durch spätere Übertünchungen und Umbauten zwar
beschädigt, doch zeugen die erhaltenen Reste von ihrer hohen
Qualität. Im Hauptraum befinden sich an der Ostwand zu beiden Seiten des Triumphbogens
zwei freskierte Altarbilder, rechts der lehrende Christus, links eine Muttergottes mit
Kind (13. Jhd.).
Nach der Profanierung (1803) wurden die Räume in der Torhalle vorübergehend als
Schulzimmer verwendet. Später waren sie Atelier und Ausstellungsraum der Chiemseemaler
(heute Ausstellungen im angrenzenden barocken ehem. Vikarhaus). Jetzt werden in einer
Dauerausstellung Repliken von Kunstwerken aus dem Frühmittelalter gezeigt, die mit den
Stifterfamilien der Chiemseeklöster, den Agilolfingern und Karolingern, in Zusammenhang
stehen (Kopien aus dem Domschatz von Monza -Tassilokelch). Im Treppenhaus sind die Kopien
der romanischen Fresken aus der Klosterkirche zu besichtigen, die im Original nicht
zugänglich sind.
Archäologische Ausgrabungen haben ergeben, dass die früheste Klosteranlage zwischen der
Torhalle und dem Münster stand. An dieser Stelle wurde später ein Friedhof angelegt. Im
Gottesacker ruhen die Fischer-, Handwerker- und Wirtsfamilien der Insel. Man liest aber
auch Berufe, die wohl eher einem großstädtischen Friedhof anstünden:
Universitätsprofessor, Kammersänger, Arzt, Bildhauer, Schriftsteller, Maler, Musiker.
Selten in Bayern ist der freistehende Münsterturm (Campanile) aus dem 13/14.
Jhd.
(Zwiebelhaube von 1572), der wohl als Fluchtturm gedient hat. Er ist heute das Wahrzeichen
des Chiemgaus.
Das Marienmünster von Frauenwörth ist im Kern eine romanische,
dreischiffige Basilika aus dem 11 /12. Jhd. mit dem ältesten erhaltenen Chorumgang in
Süddeutschland. Das altehrwürdige Portal stammt wohl aus zwei Bauperioden
(Thympanon und
Türsturz 8. Jhd., Gewände 12. Jhd.).
1468-76 erhielt die Kirche ihr spätgotisches Aussehen. Oberhalb des damals eingezogenen Gewölbes entdeckte man erst 1960/61 die romanischen Fresken von ca. 1130 wieder, deren Kopien heute in der Torhalle (Treppenhaus) zu besichtigen sind. Sie gehören zu den frühesten Zeugnissen romanischer Monumentalmalerei in Europa. Die Fresken an den Bogenlaibungen des Altarraumes stammen ungefähr von 1140. Sie stellen den auferstandenen Christus dar, umgeben von leuchtentragenden Engeln und den Schwestern des Lazarus, Maria und Martha. Die übrigen Wandgemälde entstanden vom 14. bis 18. Jahrhundert.
Von der gotischen Ausstattung ist nur noch der Taufstein (1475, Deckel 1602) erhalten. Die
Altäre stammen aus dem 17. Jhd., der mächtige Hochaltar von 1694, Altarblatt von Jacopo
Amigoni um 1717 (aus dem Münchner Liebfrauendom).
Das heutige Klostergebäude schließt sich im Süden an das Münster an;
die Gebäude wurden 1728-32 anstelle von älteren Bauten errichtet. Nach der
Klosteraufhebung von 1803 wurde den Nonnen gestattet, im Kloster zu verbleiben, da die
Gebäude keinen Käufer fanden. Zwei von ihnen durften die Wiedererrichtung des Klosters
unter König Ludwig I. 1838 miterleben. Seit dieser Zeit unterhielten die
Benediktinerinnen auf der Fraueninsel bis zum Jahre 1995 eine Mädchenschule. 1901 erfolgt
die Wiederherstellung als selbständige Abtei.
Heute bietet das Kloster für Einzelne und Gruppen Einkehr- und Besinnungstage an und widmet sich Veranstaltungen der Erwachsenenbildung und gesundheitlichen Rehabilitation (Herzerkrankungen).
"Das Inselchen erfreut sich immer noch einer großen Beliebtheit und es fehlt nicht
an Pilgern, die eine Einsamkeit suchen und gern etliche Tage oder Wochen da
verleben". So berichtet Ludwig Straub im Jahre 1860 von der Fraueninsel und ist damit
nicht der erste, der im 19. Jahrhundert das Eiland lobt. Die weltlichen"
Entdecker waren vier junge Maler: Max Hausnofer, Franz Trautmann und die Brüder Karl und
Josef Bomhardt. 1841 wurde die Künstlerchronik von dem Maler und Schriftsteller Friedrich
Lentner begründet.
Zu dieser Künstlergilde der Insel zählten im Laufe der Jahrzehnte
bedeutende Namen, so zum Beispiel die Maler Karl Raupp, Josef Wopfner, Hermann Kaulbach,
Wilhelm Leibl und die Schriftsteller Ludwig Steub, Felix Dahn. Victor v. Scheffel und Ludwig
Thoma. Die Suche nach weiteren "Sehenswürdigkeiten" auf der Fraueninsel ist
mehr oder weniger absurd, da ja das Eiland im ganzen eine Sehenswürdigkeit ist, die aus
dem Dreiklang von Alpensee, Insel- und Fischerdorf und uraltem Inselkloster besteht.
Fraueninselkarte
