Ringkanalisation Chiemsee

Vor rund 18 Jahren hatten die verantwortlichen Kommunalpolitiker der Chiemsee-Gemeinden im Blick auf die fortgeschrittene Überdüngung zu entscheiden, die bestehenden Einzelkläranlagen am Ufer zu modernisieren und weitere Einzelanlagen zu errichten oder eine Ringkanalisation mit einer Sammelkläranlage nach neuen Bau- und Betriebstechniken zu realisieren. Nach zahlreichen inneren und äußeren politischen Schwierigkeiten konnte endlich im Oktober 1985 der Abwasserzweckverband zur Reinhaltung des Chiemsees als Bauverband gegründet werden.

RingkanalisationNach Abschluss der Planung konnte im Januar 1986 an vielen Stellen gleichzeitig mit dem Bau dieses Jahrhundertwerkes begonnen werden. Die Kanalnetze der 10 Ufer- bzw. Mitgliedsgemeinden des Abwasserzweckverbandes, die Basis der Anlage, leiten die Abwässer über zahlreiche Pumpwerke dem Ringkanal zu, wovon allein 28 km als im See verlegte Druckleitungen bestehen. Im Priener Ortsteil Osternach vereinigen sich die Süd- und die Nordspange des Ringkanals. Über einen Sammelkanal, in den auch das Priener Abwasser eingeleitet wird, gelangt die Gesamtfracht in den Ost-Stollen (Durchm. 3,30 m), der nach 4.625 m in der westlich des Chiemseebeckens gelegenen Sammelkläranlage (96.000 EW) endet.

In der 3-stufigen Kläranlage CHIEMSEE werden Feststoffe entfernt und das Abwasser zu mehr als 95 % gereinigt. Nach diesem Säuberungsprozess gelangt das gereinigte Abwasser in den 2.464 m langen West-Stollen (Durchm. 3,30 m), dem sich unmittelbar der 9,6 km lange Ableitungskanal anschließt, der südlich von Rosenheim in den INN-Fluß mündet.

Alle diese abwassertechnischen Einrichtungen sind zusammen mit den rund 40 Pumpwerken um den Chiemsee in knapp 4 Jahren (1986-1989) errichtet worden. Das Gesamtprojekt hat Kosten von rund 266 Mio. DM verursacht, wovon 73 Mio. DM auf Einrichtungen des Abwasserzweckverbandes und 93 Mio. DM auf die Ortskanalnetze der Mitgliedsgemeinden entfallen. Damit wurde eines der größten und bedeutendsten Umweltschutzprojekte Europas realisiert.

Innerhalb kurzer Zeit hat sich dank dieser Einrichtungen der Chiemsee von einem nährstoffreichen zu einem nährstoffarmen Gewässer entwickelt, worüber sich insbesondere die Gäste freuen, die nun in einem sauberen Chiemsee vorwiegend in den warmen Monaten baden können.

Aber nicht nur der Chiemsee, sondern auch seine zahlreichen Zuflüsse, wovon die beiden größten - die Tiroler Achen und der Prien-Fluß - primär genannt werden, sind frei von Abwassereinleitungen geworden. Die Reinhaltung des Chiemsees muss natürlich an seinen Zuflüssen beginnen. Der Abwasserzweckverband Achental, dem die Gemeinden Grassau, Marquartstein, Unterwössen, Schleching und Staudach-Egerndach angehören, hat vor mehr als 25 Jahren eine Sammelkläranlage mit Haupt- und Nebenkanälen sowie gemeindlichen Ortsnetzen errichtet. Die Investitionskosten dafür haben 111,5 Mio. DM betragen. Vor etwa einem Jahr hat dieser Verband seine Kläranlage für rund 23 Mio. DM maßgeblich erweitert und modernisiert. Die Gemeinde Reit im Winkl betreibt schon lange eine eigene vollbiologische Kläranlage.

Sauberes Wasser...
Saubere Seen...
Saubere Flüsse!

Die Tiroler Gemeinden und Abwasserzweckverbände im Niederschlagsgebiet der Tiroler Ache bzw. Groß-Ache und ihrer Nebenflüsse zwischen ihrem Ursprung auf dem Pass Thurn und der Grenzgemeinde Kössen haben in der Zeit von 1985 bis 1989 vier neue Kläranlagen (Kössen, Erpfendorf, Fieberbrunn und Going) errichtet; die Kläranlage der Stadt Kitzbühel ist im gleichen Zeitraum wesentlich erweitert und modernisiert worden. Die Tiroler Nachbarn haben für diese Schutzeinrichtungen der Tiroler Ache, ihrer Nebenflüsse und letztlich des Chiemsees bis heute umgerechnet rund 150 Mio. DM aufgewendet.

Der Kanalzweckverband Simssee und der Abwasserzweckverband Prien- und Achental, denen die Mitgliedsgemeinden Riedering, Bad Endorf, Frasdorf, und Aschau i. Chiemgau angehören, haben am 07. 08. 1986 ihre Sammelkläranlage Bockau/Inn in Betrieb genommen; beide Verbände haben in ihre Einrichtungen rund 208 Mio. DM investiert.

Die Gemeinde Eggstätt, die ebenfalls Mitglied des Chiemseeverbandes ist, hat im Herbst 1995 ihre Kläranlage (6.500 EW in Betrieb genommen; die Gesamtaufwendungen der Gemeinde Eggstätt für Kläranlage und Ortskanalnetz belaufen sich auf 13,0 Mio. DM, wovon rund 6,2 Mio. DM auf die Kläranlage entfallen.

Kommunalpolitiker rund um den Chiemsee, in der Chiemsee-Region und im benachbarten Tirol haben in vorbildlicher Zusammenarbeit ein wichtiges Stück Umweltschutz in die Tat umgesetzt. Die Aufwendungen dafür haben insgesamt rund 771 Mio. DM betragen

Viel Geld für einen guten Zweck, der saubere Gewässer unserer Heimat gewährleistet.

Die Einrichtungen zur Reinhaltung des Chiemsees auf Bayerischer und Tiroler Seite dokumentieren zudem ein europäisches Vorbild für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Umweltschutz.