Hangquellmoor am Samerberg

Hang- und Stauquellmoore werden ständig von mineralhaltigem, kalkreichem Grundwasser durchströmt. Es entstehen Kalk-Ouellsümpfe, die von einer kalkliebenden Flora besiedelt werden.

Zu den Glanzpunkten der Wildflora in den Chiemgauer Alpen gehören die Hangquellmoore des Samerbergs, z. B. bei Gritschen, unterhalb Wiedholz, bei Witzenthal, Lues und östlich von Grainbach. Ein Teil des Gritschener Moores wurde vom Bund Naturschutz angekauft. Auf tonigem Geschiebelehm staut sich das den Moränen entströmende kalkige Grundwasser und tritt breitflächig zutage. Es bilden sich Quellsysteme, die in zahllosen Rinnsalen das Gelände überrieseln, hier einen winzigen Wasserfall, dort eine Miniaturstromschnelle bilden, und sich schließlich, oft wundervoll Kalksteinterrassen hinterlassend, in einem plätschernden Bach sammeln.

In den versumpften Wiesen haben sich Pflanzengesellschaften aus kalkliebenden Kleinseggenrasen angesiedelt, vor allem aus der Torfsegge und der Wenigblütigen Sumpfbinse.

Diese Kleinseggenrasen kommen nur am Alpenrand, im Alpenland und sonst nirgends in Mitteleuropa vor. Wegen ihres Reichtums an alpinen und anderen Florenelementen haben sie besondere Berühmtheit erlangt und werden zu den reizvollsten Erscheinungen der mitteleuropäischen Pflanzenverbände gezählt (Ellenberg).

Solche Streuwiesen büßen ihren Blütenreichtum nicht ein, weil sie erst gemäht werden, wenn sie trocken und strohig geworden sind. Die meisten Pflanzenarten gelangen also noch zur Samenreife und können sich ungestört vermehren. Besonders im Frühjahr bieten die Kleinseggensümpfe Bilder von hinreißender Schönheit, wenn sie stellenweise mit den Glocken des Stengellosen Enzians blau übersät sind und mit den rosa Mehlprimeln, dem gelben Berghahnenfuß, dem weißen Alpen-Fett-Kraut und dem Alpen-Maßlieb einen farbenprächtigen Teppich bilden. In seltsamem Gegensatz heben sich an manchen Stellen die struppigen Polster des Rostroten Kopfriets ab. Etwas später entfalten sich die weißen Kerzen des Fieberklees und das blaublühende Gemeine Fettkraut (nach Ringler). Natürlich fehlen in feuchten Streuwiesen nie die Orchideengewächse.

Eine interessante Gesellschaft verschiedenartiger Moose hat sich um die Quellen versammelt. Wo diese ruhiger fließen, bedecken kalkfreundliche Moose den Boden in dichten Überzügen und Polstern, in wechselnden Farbübergängen von hellgrün bis rotbraun. Teilweise sind sie mit Kalk überkrustet. Manche scheiden selbst Kalk aus und beteiligen sich an der Kalktuffbildung.

Im Gritschener Moor kommen Vertreter der Heidevegetation unmittelbar neben der Quellflora. Zwergbuchs, Schneeheide und Katzenpfötchen stehen zusammen. Maiglöckchen wachsen mitten im Quellgebiet, der Sumpfpippau hat hier einen normalen Standort. Wo das Quellgebiet in den Wald übergreift, z. B. bei Wiedholz, stehen stämmige Eiben.