Moore
Die unterschiedlichen geologischen Strukturen
unserer Berge, die wechselnden Bewässerungsverhältnisse und die jeweiligen klimatischen
Bedingungen geben unserem Gebirgsland eine sehr unterschiedliche und dem Wanderer rasch
wechselnde Flora, die sich zuweilen zu ungewöhnlichem Artenreichtum steigert. Von den
Gipfelkämmen bis hinaus ins Alpenvorland, das seine Bodendecke fast ausschließlich der
letzten Eiszeit verdankt, konnte sich an Quellen, Bachläufen, Seen und Mooren eine reich
gesegnete Landschaft entfalten.
Gerade in den Mooren, von denen alle Übergänge vom Flachmoor bis zum Filz, zur Heide und zum Moorwald zu finden sind, haben sich uralte Pflanzengeschlechter vom Ausgang der Eiszeit in unsere Tage herübergerettet.
Die Moore liegen braun in unserem grünen Wiesen- und Waldland. Sie gehören zum Bild.
Moore haben sich in den großen eiszeitlichen Becken des Rosenheimer Sees, des damals viel
größeren Chiemsees und in den ausstrahlenden Zweigbecken ausgebreitet. Durch Versumpfung
des vernässten Seebodens entstanden nach dem Ablaufen des Seewassers auf anfänglichen
Flachmoorbildungen riesige Alpenland-Hochmoore. Sie sind nach und nach der Kultivierung
zum Opfer gefallen. Die meisten unserer noch lebenden Moore sind durch Verlandung aus
größeren oder kleineren Seen entstanden.
Die Hauptursache der heutigen Verlandung von Seen liegt aber nicht mehr in einer
Senkung des Seespiegels, sondern darin, dass das Land mit seiner Vegetation immer weiter
in den See vordringt. Der Mensch beschleunigt den Verlandungsvorgang. Seine Siedlungen
bringen Abwässer durch die Bäche in die Seen. Sie fördern das Wachstum der
Wasser- und Uferpflanzen. Je stärker die Besiedelung, desto üppiger entwickelt sich die
Ufervegetation, die den See umgibt und sich vom Ufer her immer weiter vorschiebt.
Die Sumpf- und Wasserpflanzen entlang unserer Bäche und Seen sind hygienisch und wirtschaftlich wichtig. Sie verbrauchen die in den Abwässern zu-geführten Stoffe. Wir stellen leicht fest, dass eine reiche Wasservegetation in dieser Hinsicht wahre Wunder vollbringen kann. Einige Kilometer unterhalb der Stelle, an der ein Schmutzbach mündet, ist völlig klares Wasser zu finden (Olbers).
Hochmoore bilden sich aus Flachmooren. Sie können aber auch ohne vorausgehende
Verlandung und Flachmoorbildung entstehen, z. B. in niederschlagsreichen Wäldern. Da
setzen sich Bleichmoose fest und bringen die übrige Vegetation, auch die Wälder. zum
Absterben. Die großen Chiemseemoore südlich des Sees sollen auf diese Weise entstanden
sein.
Der Chiemsee reichte einst bis zum Alpenrand, und zwischen den Bergen und dem Wasser bildeten sich Versumpfungsmoore.
An den Rändern voralpiner Hochmoore gibt es meistens eine Zone, an der sich das
säuregesättigte, nährstoffarme Hochmoorwasser mit basisch-kalkreichem Grund- oder
Quellwasser den Übergang vom nährstoffreicheren Flachmoor zum Hochmoor herstellt. In
diesen Zwischenmooren (Übergangs-Mooren) verbinden sich oft die Pflanzengesellschaften des
Hochmoores mit denen des Flachmoores. Das Zwischenmoor ist die pflanzenreichste Moorform
mit seltenen und farbenprächtigen Gewächsen.
Trocknen Moore aus, wird der Boden durchlüftet, dann siedeln sich anspruchsvollere Pflanzen an, auch Bäume und Sträucher. Diese nehmen schließlich den anderen Konkurrenten das Licht weg und bleiben Sieger.
Die großen Hochmoore, die vor hundert Jahren noch das Bild unserer Landschaft beherrschten, liegen heute als verheidete Filze trocken. Nur noch kleinere Moore sind mehr oder weniger gut erhalten.