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Blindschleiche

Die Blindschleiche ist nicht blind, wie ihr Name vermuten lassen könnte, sondern heißt vermutlich so wegen ihrer glänzenden (blendend) Körperoberfläche. Blindschleichen werden maximal 50 Zentimeter lang und sind lebendgebärend. Sie kommen regelmäßig auch in Gärten vor, wo sie allerdings stark unter zu viel Pflege und Hauskatzen leiden.
Blindschleichen ernähren sich vorwiegend von kleinen Nacktschnecken und Regenwürmern. Sie gehören zu den Echsen und können wie diese ihren Schwanz abwerfen. Ein neuer Schwanz wächst nur als kurzer Stummel nach.
Blindschleichen benötigen eine stellenweise dichte, aber lückige und gleichzeitig sonnenexponierte Krautschicht. Ideal sind sonnenexponierte, extensiv genutzte Krautstreifen an Hecken und Waldrändern. Wichtig sind weitere Refugien wie Trockenmauern, Lesesteinhaufen, herumliegende Bretter und Steinplatten. Da sich die Tiere oft in verfilztem Gras aufhalten, können sich Grasbrände verheerend auswirken

Kurzportrait
Merkmale: 35–45 cm, selten bis 50 cm lange beinlose schlanke Schleiche mit kaum abgesetztem Kopf und stumpfem Schwanz. Die glatten glänzenden Schuppen sind auf der Oberseite bräunlich oder gräulich bis kupferfarbig (manchmal mit feiner dunkler Längslinie und Flecken), auf der Unterseite beim Männchen gelblich oder grau-gelb gemustert, beim Weibchen grau bis schwarz.
Verbreitung: Europa außer Mittel- und Südspanien, Irland, Nordschweden, Norwegen und der Krim.
Lebensraum: Mäßig feuchte Biotope mit viel bodennaher Vegetation, etwa in unterholzreichen Laubwäldern, Mooren, Wiesen, Parks. In den Mittelgebirgen bis 1000 m, in den Alpen bis 2400 m.
Nahrung: vor allem Nacktschnecken und Würmer, auch Asseln, Spinnen, Steinläufer, langsame Insekten und Larven.
Lebensweise: Für Echsen recht langsam und zudem schlecht sehend, muss sich die Blindschleiche auf ähnlich langsame Beutetiere konzentrieren, die sie durch Züngeln wahrnimmt. Aktiv morgens, abends und nach warmen Regengüssen. Erst mit 4 Jahren geschlechtsreif, wird sie bis 30 (!) Jahre alt. Die Fortpflanzung ist ovovivipar, d. h. die 5–26, meist 8–12 Jungen entwickeln sich in ihren Eiern vor negativen Klimafaktoren und Beutegreifern geschützt 11–13 Wochen lang im Mutterleib. Winterruhe bis März/April in (manchmal selbst gegrabenen) Erdhöhlen, oft zusammen mit Dutzenden von Artgenossen und sogar mit Salamandern, Bergeidechsen und Kreuzottern.

Die Blindschleiche ist, wie mittlerweile allgemein bekannt, keine Schlange, sondern eine Schleiche, die von vierbeinigen Eidechsen abstammt: Die Embryonen lassen vor der Geburt noch winzige Anlagen der ehemaligen Gliedmaßen erkennen, außerdem sind die Augen – anders als bei Schlangen – beweglich, können also wie bei Eidechsen geschlossen werden. Diese Unterscheidung von Schlangen ist nicht deshalb wichtig, weil die Blindschleiche dadurch dem öffentlichen Bewusstsein harmloser erscheinen könnte und besser geschützt wäre: Auch Schlangen sind natürlich geschützt, und wirklich gefährlich sind sie auch nicht.

Das Lebendgebären der bereits 7–9 cm langen Jungtiere ist wie bei der Bergeidechse eine Anpassung an ihre schattigen und oftmals kühlen Habitate. Außerdem ist der Nachwuchs so länger vor den nicht wenigen Beutegreifern geschützt: Die Jungtiere werden von Spitzmäusen, Kröten und Drosseln erbeutet, die Alttiere zusätzlich von Igeln, Mardern, Füchsen, Schweinen, Schlangen, Störchen, Reihern, Raben- und Greifvögeln und von Hühnern.

Schutzmaßnahmen:
Auch wenn es unsinnig ist, von "nützlichen" oder "unnützen" Geschöpfen zu sprechen, so weiß doch mancher Hobbygärtner die "Dienste" der Blindschleiche beim Verzehr der ungeliebten Nacktschnecken sehr zu schätzen. Alles, was eine Blindschleiche braucht, ist ein Natur- bzw. Biogarten mit Verstecken – etwa unter Baumwurzeln oder Reisighaufen – und möglichst einem ungefährdeten Zugang zum Wald oder einer Wiese

 

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Stand: 26. September 2002